Der vergangene Winter war der Kälteste seit 1996/97. Insbesondere in der ersten Januarhälfte pendelte die Quecksilbersäule fast ausschließlich im Minusbereich, wobei in ungünstigen Lagen minus 15 °C unterschritten wurden. Zu Frostschäden kam es aber auch selbst bei den „weicheren“ Rebsorten nicht. Nachdem sich Februar und März im normalen Temperaturbereich bewegten, rechneten alle Experten mit einem eher etwas verspäteten Austrieb. Aber sie hatten die Rechnung ohne den launigen April gemacht. Am Standort Eltville lag an 18 Tagen das Maximum über 20 °C, davon 5 Tage mit über 25 °C, welche als Sommertage bezeichnet werden. Mit durchschnittlich 14,0 °C lag er stolze 4,6 °C über dem langjährigen Mittel. Auch die Sonne schien 55 Stunden „zu viel“. Dies ließ die Vegetation geradezu explodieren, so dass wir den Austriebstermin beim Riesling in unserem Referenzweinberg auf den 14.04. terminierten. Dieser Termin ist mit den Jahren 1974, 1981 und 2007 der früheste seit unseren regelmäßigen Aufzeichnungen (1955). Vielfach waren vorgesehene Austriebsspritzungen nicht durchführbar, da die ersten Entwicklungsstadien in rasantem Tempo durchlaufen wurden. Es war nach 2007 (14,2 °C) der zweitwärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Geisenheim (1885). Erst Ende April, als die Vegetation etwa drei Wochen voraus war, kühlte es deutlich ab. Im Mai fand ein häufiger Wechsel zwischen wärmeren und kühleren Phasen statt. In den wärmsten Lagen wurden Ende Mai die ersten Blütenkäppchen abgeworfen. Mit der starken Abkühlung ab 4. Juni hatten diese Lagen weitgehend verblüht. Bei Minimumtemperaturen meist deutlich unter 10 °C kam die Rebentwicklung durch die verfrühte „Schafskälte“ zum Stocken. Das Stadium „Vollblüte“ fand in den mittleren bis guten Lagen um den 10. Juni statt. Auffallend war die witterungsbedingt lange Blütedauer. An einem Rebstock konnte man die Stadien von „Gescheine voll entwickelt“ über „Vollblüte“ bis „Fruchtknoten beginnen sich zu vergrößern“ beobachten. Zum Zeitpunkt „Schrotkorngröße“ betrug der Vegetationsvorsprung noch eine Woche.
Am 9. Juni ging in vielen Gemarkungen Hagel nieder. Die stärksten Schäden wurden im Raum Erbach/Hattenheim festgestellt. Hierauf ist beim Rebschnitt entsprechend zu reagieren.
Wie schon in den letzten beiden Jahren, war der Juni sehr niederschlagsreich. In den meisten Gemarkungen wurde das Monatssoll beträchtlich übertroffen. Dadurch trat in Verbindung mit niedrigen Temperaturen stellenweise Chlorose auf.
Das Auf und Ab der Temperaturen setzte sich im Juli fort. So schwankte die Tageshöchsttemperatur am Standort Eltville zwischen 19,7 und 31,2 °C. Nachts kühlte es meist angenehm ab.
Von den Krankheiten war Peronospora auf Grund der Witterung von Mai bis Juli in allen Gemarkungen des Anbaugebietes zu finden. Von Blattbefall blieb keine Anlage frei. Teilweise kam es zu Ertragsausfällen. Auch Oidium war an Trauben in den dafür bekannten Lagen zu finden. Generell musste in diesem Jahr auf Grund der Witterung und des oft schnellen Triebzuwachses der Abstand zwischen den Behandlungen minimiert werden. Die biotechnische Bekämpfung des Traubenwicklers auf über 90 % der Rheingauer Rebfläche hat sich gerade in diesem Jahr wieder sehr gut bewährt.
Insgesamt war von April bis Juli die Vegetationsperiode um 1,5 °C zu warm, so dass der Vegetationsvorsprung bei Reifebeginn am 12. August folgerichtig ca. zwei Wochen betrug.
Anschließend herrschte ideales Reifewetter, so dass die Mostgewichte kontinuierlich zunahmen. Am 28. September lag das durchschnittliche Mostgewicht von 25 rheingauer Standorten ausschließlich über 80° Oechsle. Dies entsprach fast exakt den Werten von 2007.







